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Walter Kallert

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Autor : Walter Kallert - Realschuldirektor a.D. - Berliner Straße 12 - 91522 Ansbach

Abbildung: Als Schüler auf einer Adolf—Hitler—Schule - Ein Erlebnis- und Erfahrungsbericht

Inhalt

Mein Weg in die Adolf-Hitler-Schule "Franken"

Nach den Sommerferien 1942 wurde ich in die Eingangsklasse der Oberrealschule Hersbruck östlich von Nürnberg aufgenommen, da zu der Zeit mein Vater das Gut des Freiherrn von Holzschuher in Artelshofen im oberen Pegnitztal verwaltete. Dort war ich zusammen mit meinem Bruder auch Pimpf in der Jungschar des Jungvolks geworden, in der wir uns recht wohl fühlten.

Im Herbst dieses Jahres wurde ich von unserem Jungscharführer zu einigen Wochenendtagungen, die der Bann Lauf veranstaltete, eingeladen. Diese fanden im Naturfreundehaus Artelshofen statt und waren eigentlich, wie ich bald merkte, eine Art Sichtungslehrgang, bei denen die eingeladenen Pimpfe von HJ-Führern gründlich unter die Lupe genommen wurden, ohne dass sie wussten, worum es bei den Befragungen, schriftlichen Aufgaben, Einzelgesprächen und Gemeinschaftsbeschäftigungen, bei denen man außerdem intensiv beobachtet wurde, eigentlich ging. Als höchst ungewöhnlich ist mir ein Einzelgespräch mit zwei HJ-Führern in Erinnerung, zu dem ich nachts aus dem Bett geholt und im Schlafanzug von den beiden examiniert wurde. Eine der Fragen, die mir dabei gestellt wurden, ist mir heute noch gegenwärtig. Ob ich wisse, wer der erste Präsident der USA gewesen sei, fragte man mich und war sichtlich erstaunt, als ich „George Washington“ antwortete.

Einige Wochen nach zwei dieser Sichtungslehrgänge wurde ich schriftlich zu einem weiteren Lehrgang eingeladen, der auf der Burg Cadolzburg bei Fürth stattfand und zu dem ca. 30-40 Teilnehmer aus dem ganzen Gau Franken zusammengerufen wurden. Die dreitägige Veranstaltung war ein sehr intensives Ausleseverfahren mit allerlei Aufgaben, Übungen, Spielen, Gruppenveranstaltungen und vor allem auch sportlichen Wettkämpfen, besonders auch Geräteturnen, und als dann eine nochmalige Einladung auf die Cadolzburg mit einem etwa gleichartigen Aufgabenprogramm erfolgte, waren nur noch 20-25 Pimpfe beieinander, die sich nun schon von der ersten Zusammenkunft her kannten. Die Konkurrenzsituation war, denke ich, nun auch bereits jedem bewusst; aber ein Ergebnis erfuhren wir auch nach diesem zweiten Cadolzburg-Aufenthalt nicht, und wofür wir hier ausgesiebt wurden, war auch keinem klar. Um so größer war aber die Überraschung, ja Verblüffung, als Wochen danach - das gesamte Ausleseverfahren nahm ja über ein halbes Jahr in Anspruch - ein Schreiben der Gauleitung Franken bei uns daheim eintraf, in dem mir und meinen Eltern zur Auswahl für die Adolf-Hitler-Schule gratuliert wurde und wir gleichzeitig zu einem Empfang in die Gauleitung in Nürnberg eingeladen wurden. Dorthin wurde ich nach Beratung meiner Eltern von meiner Mutter begleitet. Das Bemerkenswerteste an dem Empfang - an dem, soweit ich mich erinnere, nur Mütter mit ihren Sprösslingen teilnahmen, denn die Väter waren wohl alle an der Front - war dann aber doch die Feststellung des Gauleiters Holz, dass insgesamt elf Schüler aus dem Gau Franken ausgewählt worden waren für die Aufnahme in die Adolf-Hitler-Schule „Franken“. Ob das ein besonderer Grund zur Freude oder gar zu Stolz war, konnte man meinen Beobachtungen nach weder den Muttern noch den künftigen Adolf-Hitler-Schülern ansehen.

Einberufung und Aufteilung auf die verschiedenen A

Wenige Wochen nach dem Empfang beim Gauleiter erhielten wir dann die schriftliche Mitteilung über die Aufnahme in die Adolf-Hitler-Schule, verbunden mit einer Einladung zu einem Zeltlager in Bad Tölz. Wir staunten nicht schlecht, als wir dort ein riesiges Zeltlager mit Mannschaftszelten der Wehrmacht vorfanden, und zwar außerhalb von Tölz auf einer großen Wiese in unmittelbarer Nachbarschaft zur Isar, in der wir auch baden konnten.

In diesem Zeltlager wurde der gesamte Jahrgang 1943 der ausgewählten Adolf-Hitler-Schüler zusammengefasst und, wie sich dann zeigte, in Klassen eingeteilt und den verschiedenen Adolf-Hitler-Schulen zugewiesen. Ich kam in die Adolf-Hitler-Schule „Franken“, in die aber, wie sich sogleich herausstellte, auch Schüler anderer Gaue, so z.B. aus der Oberpfalz und aus Nordrhein-Westfalen, kamen. Offenbar sollten die Jugendlichen schon frühzeitig mit solchen aus anderen Stimmen des Reiches zusammengebracht werden, um so ein näheres gegenseitiges Kennen- und Verstehenlernen zu ermöglichen. Nach zirka einer Woche vielfältiger Aktivitäten im schönen Isartal kam dann die Trennung und der Transport per Bahn in die verschiedenen Schulen. Das Ziel meiner Klasse war die Ordensburg „Vogelsang“ in der Eifel oberhalb des Urft-Sees und der Urfttal-Sperre.

Unterbringung auf der Ordensburg Vogelsang" und vo

Unsere Unterbringung auf der Burg „Vogelsang“ erfolgte in einem der 14 Kameradschaftshäuser der Burg, und zwar im zweiten der untersten Reihe dieser Bauten von Westen her gesehen. Bei unserem Einzug dort wurden wir von der Kleiderkammer zuerst noch voll eingekleidet: schwarze Uniform mit Überfallhose, Braunhemden mit Schlips, Lederknoten und Koppel, Stiefel, langer Mantel und Tornister mit zusammengerollter Decke und Feldflasche. Private Kleidung trugen wir von da an überhaupt keine mehr.

Unser Bau war für uns zirka 130 Halbwüchsigen Wohn-, Schlaf-, Unterrichts- und Aufenthaltsraum zugleich. Zu zweit hatten wir jeweils in den zwei großen Schlafsälen eine Koje mit zwei auseinander stehenden Betten, einem kleinen Tisch dazwischen am Fenster und zwei Schemeln. Sie wurde durch spanische Wände von den anderen Kojen abgetrennt. Am Fußende der Betten standen zwei getrennte Spinde, die zusammen in zwei langen Reihen in den Schlafsälen einen breiten Mittelgang bildeten. Auch sämtliche erforderlichen sanitären Anlagen waren in dem Bau untergebracht. Die Verpflegung erfolgte durch die Großküche in der Burgschenke, in der auch alle Mahlzeiten eingenommen wurden.
Was Ordnung und Sauberkeit in unserer Unterkunft anging, so war dies allerdings ausschließlich unsere Aufgabe, so dass Schrubben und Putzen wie auch der „Bettenbau“, die Ordnung in den Kojen und Spinden und auch das Klopfen der langen Sisalteppiche ganz allein unsere Angelegenheit waren. Übrigens waren wir auch zum Küchendienst in der riesigen Küche der Burgschenke eingeteilt, die jedoch mit hervorragenden großen Küchenmaschinen ausgestattet war. So hatten wir auch außerhalb unserer eigentlichen Aufgaben als Schüler reichlich zu tun und konnten uns über mangelnde Zusatzbeschäftigungen gewiss nicht beklagen. Langeweile kannten wir garantiert nicht, und Freizeit oder Freizeitbeschäftigungen gab es praktisch auch keine.

Tagesablauf und Arbeitspensum

Der Tagesablauf war bis ins Kleinste minutiös geregelt und geplant und kannte - aufs Ganze gesehen - auch kaum größere Ausnahmen oder Abwechslungen. Nach dem frühzeitigen Aufstehen (6.30 Uhr) und Fertigmachen im Wohnblock ging es zum Morgenappell auf dem Appellplatz mit Fahnenhissung, dann folgte das Frühstück in der Burgschenke, anschließend sechs Stunden Unterricht im 45-Minuten-Takt, Mittagessen im großen Speisesaal, nachmittags Sport und Hausaufgaben- bzw. Studierzeit sowie paramilitärische Ausbildung und Drillübungen; nach dem Abendessen noch weitere Studierzeit oder Gemeinschaftsveranstaltungen. Einen freien Samstag kannte man selbstverständlich nicht. Am Sonntag hatte man, wenn kein besonderes Programm war, hin und wieder doch einige Stunden auch für sich; aber eingespannt und angestrengt war man immer, wie man sich auch kaum je unbeobachtet fühlen konnte.

Zum Unterricht und den Lehrern, die wir hatten

Der Unterricht fand mit Ausnahme des Werk- und Sportunterrichts stets in dem einen Klassenzimmer unseres Wohnblocks statt, während der übrige Fachunterricht in den bestens dafür ausgestatteten Fachräumen und Sportstätten gehalten wurde. Disziplin war auch dabei, wie überhaupt, oberstes Gebot, und dass man stets versuchte, sein Bestes zu geben, verstand sich ebenso von selbst. Die positive Grundeinstellung zur gesamten Unterrichtsarbeit und den sonstigen Aufgaben‚ die man zu erledigen bekam, war ebenfalls als eine absolut gegebene Voraussetzung anzusehen. Demgemäss gab es auch fast nie Disziplinschwierigkeiten oder irgendwelche Verweigerungen jeglicher Art.

Vom unbedingten Gehorsam als Voraussetzung für alle Anordnungen und Befehle musste und konnte ausgegangen werden. Umgekehrt konnte auch auf unserer Seite von absolut gerechter und gleicher Behandlung durch die Vorgesetzten und Lehrer ausgegangen werden. Das galt besonders auch für die Beurteilung und Notengebung, die ansonsten mit der an weiterführenden Schulen üblichen identisch war. Gleiches galt auch vom Fächerkanon und dem Curriculum. Allerdings war die Fremdsprachenfolge angeglichen an die des Gymnasiums. Erste und einzige Fremdsprache in der Eingangsklasse war demnach Latein. Alle anderen Fächer waren ebenso vertreten wie im Gymnasium auch. Allerdings hatte der Sport im Vergleich dazu ein ungleich größeres Gewicht, und ein eigenes Fach mit Lerninhalten der nationalsozialistischen Ideologie gab es nicht, was nicht heißen muss, dass sie nicht dennoch mit übermittelt wurden.

Aus heutiger Sicht kann und muss man jedoch sagen, dass offenkundig keine Indoktrination von Lehrerseite aus stattfand, wie denn überhaupt gesagt werden muss, dass die Lehrer, die wir hatten, ausnahmslos hervorragende Pädagogen waren und zudem hohe fachliche Qualitäten besaßen. Insgesamt war das Kollegium altersmäßig nach unseren Maßstäben eher überaltert, was wohl damit zu tun hatte, dass viele der wehrfähigen Lehrer an der Front waren und deshalb auch Pensionisten zum Einsatz gelangen mussten. Nur einer von ihnen, der den Werk- und Modellbauunterricht erteilte, trat in Uniform auf, alle anderen unterrichteten in ziviler Kleidung. Am meisten haben mich die Lehrer für Deutsch (Herr Ihle) und Geschichte/ Erdkunde (Herr Eschenburg) beeindruckt, weil sie vor allem verstanden, altersgerecht, anschaulich und interessant zu unterrichten und uns auch sehr behutsam zu fördern wussten, zum Beispiel durch eine sehr bedachte, hilfreiche und moderate Korrektur.

Mir unvergesslich, weil ich das in keiner anderen Schule mehr erlebte, ist die Tatsache, dass mehrere Lehrer bei schriftlichen Leistungsnachweisen das Klassenzimmer verließen mit dem Hinweis, dass es Ehrensache sei, dass selbst bei Abwesenheit des Lehrers nicht gespickt wird, wovon sie überzeugt seien. Und es wurde tatsächlich auch bei Abwesenheit der Lehrer nicht gespickt.

Was mir heute erst bewusst wird, ist der Umstand, dass die Lehrer (Lehrerinnen gab es an den Adolf-Hitler-Schulen nicht) in gewisser Weise auch die Vaterrolle für uns, die wir unseren Familien entzogen waren, mit übernehmen mussten, was ihre Vorbildfunktion noch in besonderer Weise stärkte. Sie wurden deshalb auch alle fast ausnahmslos von uns sehr geschätzt, und rückschauend kann ich sagen, dass von ihnen und ihrer pädagogischen Arbeit entscheidende Impulse für meine weitere Schul- und Berufslaufbahn ausgingen.

Einen gesunden Ausgleich zum ansonsten überfrachteten Fachunterricht stellte der überproportional stark betonte und betriebene Sportunterricht dar, und zwar fast in allen nur denkbaren Sparten bis hin zu Boxen und Ringen, zu Sprüngen schwierigster Art vom Dreimeterbrett im Hallenbad und zum Wasserskilaufen auf dem Urftsee. Für uns Jungen am Beginn der Pubertät war das eine nicht zu unterschätzende Erziehungshilfe, die Spaß machte, Erfolgserlebnisse bescherte und einen wunderbaren Ausgleich darstellte. Körperertüchtigung mag ein damit beabsichtigtes Ziel gewesen sein; für uns zählte das jedoch nicht, denn wir hatten Spaß dabei und Freude daran.

Aus dem Bilderbuch des Unmenschen

So Löbliches auch generell gesagt werden konnte von unseren Lehrern, so blieb uns ausgesuchten jungen Rabauken dennoch nicht erspart, von einem fanatischen Unpädagogen traktiert und kujoniert zu werden. Seine Funktion ist uns damals nie richtig klar geworden. Aber als höherer HJ-Führer von 20-23 Jahren war er für uns außerhalb der Unterrichtszeit voll zuständig und führte mit uns zugleich eine Art vor- oder paramilitärischer Ausbildung durch, indem er uns kommandierte und strapazierte, dass es kaum schlimmer ging. In Uniform und mit Tornister spanische Wände überwinden, Robben im schlammigen Gelände, ginster-bewachsene Böschungen hinaufstürmen, Dauerläufe mit Marschgepäck, das waren nur einige seiner Schikanen, die er durch Spindappelle und Antreten in im Schnellverfahren gereinigter Uniform und blitzblanken Schuhen binnen kürzester Zeit noch zu verdoppeln wusste. Ich glaube, wir hassten ihn alle, weil er uns zudem auch noch zeigte, wie sehr es ihm gefiel, uns fertig machen zu können.

Und das Schlimme dabei war: keiner wusste, wie er sich diesen Quälereien hätte entziehen können, geschweige denn etwas dagegen hätte unternehmen können. Auch schien es so, dass dieser unpädagogische Quälgeist die reinste Narrenfreiheit genoss und von niemandem kontrolliert oder begutachtet wurde. Dennoch bin ich überzeugt, dass er felsenfest daran glaubte, aus uns eisenharte Jungs machen zu können, eben solche, wie sein großer Führer sie haben wollte: „hart wie Kruppstahl, flink wie die Windhunde...“

Highlights gab es dennoch auch

Es wäre jedoch sicher falsch, wenn der Eindruck entstünde, wir wären auf der Adolf-Hitler-Schule nur gedrillt und schikaniert worden. Dagegen sprechen vor allem Highlights, die uns und unseren Unterricht bereicherten und zudem noch unser Gemeinschaftsgefühl, das sich erstaunlich schnell entwickelt hatte, noch weiter festigten und stärkten. Hier will ich nur zwei der dafür bedeutendsten nennen. Es waren dies vor allem Exkursionen mit hohem Erlebniswert und Abwechslungsreichtum.

Eine dieser Erkundungsfahrten führte uns zu den berühmten Dauner Maaren, und am schönsten und zugleich gefährlichsten, dem Toten Maar, schlugen wir sogar unsere Zelte auf. Es war eine einmalige und unvergessliche Begegnung mit der rauen und geheimnisumwitterten Natur der Eifel, die uns begeisterte.

Nicht minder interessant und aufregend war ein Besuch des Nürburgrings, den wir schließlich sogar selbst testen durften, wenn auch nur auf Fahrrädern. Aber selbst dabei gab es einige üble Karambolagen mit Stürzen und Verletzungen, die das Erlebnis noch lange, und zwar auch schmerzhaft, nachwirken ließen.

Den Stellenwert solcher Ausflüge kann man erst voll ermessen, wenn man weiß, dass das nahezu kasernierte Leben, das wir auf der Ordensburg führten, in aller Regel von großer Gleichförmigkeit und Eintönigkeit geprägt war. Diese wurden eigentlich nur von den Ferien unterbrochen, in denen wir nach Hause fahren durften und die wir deshalb sehr herbeisehnten. Allerdings waren es nur die Weihnachts- und die Sommerferien, die uns zugestanden wurden. Danach fiel uns die Eingewöhnung auf der Burg wieder besonders schwer.

Die Zeit der zunehmenden Gefährdung auf der exponi

Wer „Vogelsang“ kennt und seine abgeschiedene Lage auf den Höhen über dem Urfttal-Sperrensee, wird mir sicher zustimmen, dass diese Burg gleichsam idyllisch gelegen ist, und aus pädagogischer Sicht könnte die
damalige Unterbringung der Adolf-Hitler-Schule „Franken“ dort fast mit einer Art Landschulheimaufenthalt verglichen werden. Doch diese friedliche Idylle geriet zunehmend in Gefahr, als in den Wintermonaten von 1943 auf 1944 die Bombardierungen der deutschen Städte durch die Alliierten ein immer schrecklicheres Ausmaß annahmen. Für uns Adolf-Hitler-Schüler auf Burg Vogelsang hatte das zur Folge, dass wir, wenn mitten in der Nacht Fliegeralarm gegeben wurde, davon aus den Betten gerissen wurden und mit einer Decke unter dem Arm in den zirka 500 Meter entfernten Luftschutzraum laufen mussten, um dort in notdürftigen Stockbetten auf Strohsäcken weiter zu schlafen, bis uns erneut die Sirenen zum Zeichen der Entwarnung weckten und uns so signalisierten, dass wir uns wieder in unsere Unterkunft zurückbegeben durften. Das wiederholte sich dann mit großer Regelmäßigkeit, so dass bald nicht mehr von einer ausreichenden Nachtruhe die Rede sein konnte. Es waren aber nicht wir auf der Burg Vogelsang das Ziel dieser nächtlichen Bombergeschwader, sondern es waren dies die leidgeprüften Menschen unserer Großstädte im Reich.

Aber auch für uns Adolf-Hitler-Schüler konnte die dennoch damit verbundene Gefährdung nicht ohne Folgen bleiben; denn ein normaler Unterrichtsbetrieb konnte unter diesen Umständen auf Dauer nicht mehr garantiert und aufrechterhalten werden.

Das Ende der Adolf-Hitler-Schule "Franken" auf Bur

Mit dem Ende des Schuljahres 1943/44 kam dann auch das Aus für die Adolf-Hitler-Schule auf Burg „Vogelsang“. Sie wurde wegen der permanenten Bedrohung durch Luftangriffe auf Burg „Crössinsee“ in Westpreußen, östlich von Stettin und Preußisch Stargard, verlegt, wo wir uns nach den großen Ferien des Jahres 1944 einfanden.

Hier darüber aus meinen Erinnerungen an den dortigen gut halbjährigen Aufenthalt nur so viel, um die völlig veränderte Situation gegenüber der auf Burg „Vogelsang“ zu charakterisieren: Am beeindruckendsten für uns alle an Burg „Crössinsee“, die in brettebenem Gelände lag, war die dort befindliche große Sauna in echt finnischem Stil, in der wir uns mehrfach aufhalten durften, und das Schwimmen im Crössinsee. Dass der Unterricht hier schon nicht mehr absolute Priorität genoss, merkten wir bereits daran, dass wir bald nach unserer Ankunft dort zum Großeinsatz im Rahmen der Kartoffelernte auf ein westpreußisches Gut abkommandiert wurden, wo wir eine Woche lang hinter den großen Kartoffel-Rodern Kartoffeln mit großen Körben auflesen
und dann auf von Pferden gezogene Brückenwagen schütten mussten. Die spektakulärste Aktion war aber unser Einsatz im Spätherbst zum Ausheben von Schützengräben westlich von Schneidemühl. Dass wir mit dem diluvialen preußischen Sand so intensiv Bekanntschaft machen würden, hatten wir uns natürlich nicht träumen lassen. Nur gut, dass er nicht zu fest und auch nicht etwa gar lehmig war und sich deshalb gut schaufeln und verhältnismäßig leicht aus den Gräben befördern ließ! Dennoch waren wir bald der Erschöpfung nahe und heilfroh, als dieser Einsatz nach zwei Wochen für uns beendet war. Einen unauslöschlichen Eindruck hinterließen auch die Schneemassen dieses Winters von 1944 auf 1945 auf Burg „Crössinsee“ bei uns, und unsere völlige Abgeschiedenheit und Verlassenheit in dieser weißen winterlichen Schneewüste wurden uns dadurch nur noch bewusster. Allerdings ließen uns unsere unentwegt fortgesetzten schulischen Bemühungen dennoch nicht ins Grübeln kommen. - Als aber dann das Tauwetter und das Ende des Schnees kam, kam auch für uns das Ende auf Burg „Crössinsee“, und zwar in der zweiten Märzhälfte 1945. Ohne grobe Vorankündigung - wohl aber hörte man schon den fernen Geschützdonner der unaufhaltsam näher kommenden russischen Truppen! - wurden wir eines Morgens mit unserem Marschgepäck in einem Bus der Burg zur mehrere Kilometer entfernten nächsten Bahnstation gebracht, auf der bereits ein Flüchtlingszug, der aus geschlossenen Viehwaggons bestand, mit Flüchtlingsfamilien und ihrer dürftigen Habe beladen wurde. Mitten unter diese Flüchtlinge kamen auch wir Adolf-Hitler-Schüler, drängten uns mit ihnen in die Waggons und gelangten mit diesem Zug schließlich nach Stettin, von wo aus jeder von uns seinen weiteren Weg nach Hause selbst zu finden suchte. Dabei konnte ich mich sicher glücklich schätzen, dass ich mit in einen überfüllten Lazarettzug gelassen wurde und mit diesem über Berlin bis nach Naumburg kam und von dort aus dann mit einem anderen Zug weiter nach Nürnberg bzw. auf den zerbombten Hauptbahnhof der Stadt. Jetzt war mein Heimatbahnhof Vorra im oberen Pegnitztal nicht mehr weit und, Gott sie Dank, auch die Eltern und Geschwister, für die ich völlig überraschend und wie aus dein Nichts an einem frühen Märzmorgen des Jahres 1945 plötzlich vor der Haustüre stand und mit Hilfe des schweren Eisenklopfers Einlass begehrte. Das Abenteuer Adolf-Hitler-Schule war für mich so glücklich zu Ende gegangen, und die Freude darüber war riesig, besonders bei meinen Eltern und Geschwistern.

Meine Zeit auf der Adolf-Hitler-Schule in der Rück

Heute, nach so vielen (immerhin 60!) Jahren, liegt es nicht nur nahe, Rückschau zu halten auf das damals Erlebte und Erfahrene, sondern es zwingt die wiederbelebte Erinnerung des so lange Vergangenen auch dazu, sich damit auseinander zu setzen und, wenn möglich, eine Wertung des Ganzen zu versuchen, zumindest aber eine kritische Stellungnahme dazu abzugeben.

Zweifellos war die Zeit auf der Adolf-Hitler-Schule in mehrfacher Hinsicht eine schwere, entbehrungsreiche und an zwischenmenschlichen Beziehungen arme Phase meines damals noch jungen Lebens, die ausschließlich geprägt war von den elitären Bedingungen, die diesem pädagogischen Projekt der Erziehung des nationalsozialistischen Führungsnachwuchses ihren Stempel aufdrückten. Ob es auch die ausgesuchten Jugendlichen in diesem Sinne geprägt hat, steht für mich allerdings noch dahin. Aber in der vergleichsweise kurzen Zeit von fast eindreiviertel Jahren ist doch schon - wenn auch nur ansatzweise - in uns Adolf-Hitler-Schülern so etwas wie ein Elitebewusstsein entstanden.

Das war auch bei all den elitären Bedingungen - von der Uniformierung, dem Haarschnitt, dem eingeübten Auftreten, der anerzogenen Haltung angefangen, bis zum Verinnerlichen des Herausgehobenseins und dem wachsenden Gefühl des Andersseins - auch gar nicht anders möglich. Einer zusätzlichen Indoktrination bedurfte es da eigentlich gar nicht. Gestärkt wurde dieses Gefühl besonders auch durch die Pädagogik, die eine solche der extremen Zielsetzung unter ganz besonderen Aspekten war: Leistungszwang, Gehorsam, Disziplin, Appelle an das Ehrgefühl und äußerste Anstrengungsbereitschaft schärften das Bewusstsein, hohen und höchsten Ansprüchen genügen zu müssen und wohl auch zu können. Dabei mussten altruistische Anlagen und Ansätze wohl von Anfang an zu kurz kommen und das Individualistische und Egoistische im einzelnen die Oberhand erlangen.

Beispiel und Vorbild waren die erzieherisch wirksamsten Mittel, die in der Pädagogik an den Adolf-Hitler-Schulen auch die gewichtigste Rolle spielten. Sie waren ausschlaggebend für das eigene Rollenverständnis und die persönliche Haltung, die freilich kaum je den anderen sahen.

Möglich waren solche Zielsetzungen jedoch nur, wenn von Anfang an auch Verzicht, Entsagung und Entbehrung eingeübt wurden als Hilfen für Unterordnung, Gehorsam und Pflichtbewusstsein, die alle groß geschrieben wurden im Hinblick auf das immer wieder vor Augen gestellte Ziel: den „inneren Schweinehund“ besiegen zu lernen und über sich selbst hinauszuwachsen. Gemeinschafts- und Kameradschaftsgeist, vielleicht auch schon ein gewisser Korpsgeist, waren ebenso Ziele der Gefolgschaftspädagogik, die für individuelle Ausprägung und Förderung - auch im Sinne von besonderen Begabungen und Neigungen, z.B. künstlerischen,
musischen, sozialen und altruistischen, wenig, um nicht zu sagen gar keinen Raum ließen. Erst heute vermag ich zu erkennen (vielleicht auch, weil ich selbst einen pädagogischen Beruf ausgeübt habe), was für ein fragwürdiges und in den entscheidenden Punkten defizitäres Menschenbild der nationalsozialistischen Pädagogik und ihrer Umsetzung an den Adolf-Hitler-Schulen zugrunde lag. Das Selbstwertgefühl, ein gesundes Selbstbewusstsein, Kritikfähigkeit, Kreativität, Selbstverantwortung, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, um nur einige Grundelemente wertorientierter Pädagogik von heute anzusprechen, spielten in der Erziehung der Nationalsozialisten keine Rolle. - Wohin solche Erziehungsgrundsätze letztlich führen, haben uns die Ergebnisse und Auswüchse nationalsozialistischer Erziehung ja mehr als deutlich vor Augen geführt.

Unter diesem Blickwinkel kann man nur froh sei, dass das Erziehungsziel der Nationalsozialisten in den und durch die Adolf-Hitler-Schulen nicht erreicht werden konnte. Und für mich selbst, das möchte ich noch hinzufügen, war es ein Glücksfall, dass in den nachfolgenden Schulen, die ich besuchte, viel von dem korrigiert werden konnte, was womöglich auch in mir in der Adolf-Hitler-Schule bereits grundgelegt worden war.

Ein Wiedersehen mit der Ordensburg "Vogelsang" nac

Nicht, dass ich es schon viel früher versucht hätte, die Stätte noch einmal aufzusuchen, an der ich als Elf- bis Zwölfjähriger die Adolf-Hitler-Schule „Franken“ besuchte, die zu jener Zeit auf Burg „Vogelsang“ untergebracht war. Vor mehr als 20 Jahren schon fuhr ich in dieser Absicht mit dem Rad quer durch die Eifel, nur, um mich dann mit einem weiten Blick durch das Fernglas auf den Bergfried und die Kameradschaftshäuser der Burg begnügen zu müssen; denn als Truppenübungplatz, zunächst für britische und dann für belgische Truppen, waren Burg und umliegendes Gelände natürlich nicht zu betreten. „0ff limits!“, wohin man sah.

Dann kamen Jahre mit vergeblichen schriftlichen Anfragen und Eingaben um einen Besuchstermin und Vertröstungen ohne Ende, bis dann endlich für 2005 die Übergabe der Burg an die Bundesrepublik in Aussicht gestellt wurde und damit auch schon die Planungen für den Nationalpark Eifel begannen. Dem Planungsbüro dafür und seinen Bemühungen um Investoren für den Nationalpark hatte ich es zu guter Letzt zu verdanken, dass ich zusammen mit potenziellen Investoren einen Besuchstermin für den 30. April 2004 gewährt bekam, der unter Führung des belgischen Standortbeauftragten zwei Stunden dauern sollte und zu dem ich auch meine Geschwister mitbringen durfte. - Woran ich kaum noch zu glauben wagte, sollte nun doch noch wahr werden!

Die Erwartungshaltung nach so vielen Jahren und vergeblichen Bemühungen um die Realisierung eines späten Wunsches war dementsprechend hoch und die Vorfreude und Aufregung groß. Was würde man an Bekanntem und Vertrautem noch vorfinden, was noch wiedererkennen? Was alles würde anders sein als vor 6o Jahren, neu hinzugekommen oder verändert worden sein? Zudem gab es einige Befürchtungen, die aus der Tatsache resultierten, dass das gesamte Burggelände ja immer noch militärisch genützt wurde und daher nach wie vor Sperrgebiet war. Was würde man unter diesen Bedingungen wohl überhaupt sehen können bzw. dürfen? - Der Empfang am Wachposten zum Burgeingang war denn auch so, dass diese Befürchtungen nicht zerstreut werden konnten. „Um so mehr waren wir aber überrascht, dass die Führung selbst unter Leitung des belgischen Standortbeauftragten, der sogar fließend Deutsch sprach, völlig problemlos war und dass unseren Wünschen dabei voll entsprochen wurde und auch auf unsere Fragen bereitwillig Auskunft gegeben wurde.

Doch was waren nun die bestimmenden und einprägsamsten Eindrücke dieses meines ersten Besuchs auf Burg „Vogelsang“ nach über 60 Jahren?

Als Erstes will ich dabei nicht verhehlen, dass diese Wiederbegegnung nicht frei von Emotionen meinerseits war, die ausgelöst wurden von wieder auflebenden Erinnerungen einerseits und verblüffenden Überraschungen andererseits; denn mir wurde gleich beim Eintreffen auf der Burg selbst, zu der wir von der Wache in einem Kleinbus gebracht worden waren, klar, dass vieles von dem, was ich als erste Eindrücke wahrnahm, nicht mehr meinen ehemaligen Vorstellungen davon entsprach, so z.B. der gesamte Eingangsbereich mit den teilweise nicht mehr vorhandenen Empfangsgebäuden und dem „Adlerhof“, der seinen einstmals feierlichen Charakter mit der großen Adlerplastik in der Mitte völlig verloren hatte. Nur Bruchstücke davon wurden in einem begrünten Seitenbereich als eine Art mahnende Zeugen der nationalsozialistischen Hybris, als die Burg auch verstanden werden muss, noch aufbewahrt. Dieser Eindruck der bewussten Zerstörung und auch Beseitigung nationalsozialistischer Symbole bzw. Embleme setzte sich auch in mehreren anderen Bereichen der Burg fort, so am Sportfeld mit dem riesigen Hochrelief von Sportlern und deren Sportgeräten, die größtenteils zerstört wurden, oder am Festplatz für Feiern mit der großen Inschrift auf einer Steinwand über den Geist und Glauben der Junker, der hier auf der Burg vermittelt werden sollte, wie auch an dem überdimensionalen Fackelträger dieses Feuermals, der Lichtgestalt, als die auch die hier Ausgebildeten sich verstehen sollten. Entnazifizierung mit allen Mitteln und Spurenbeseitigung nationalsozialistischen Geistes, wo immer das möglich war, waren also die vorherrschenden Eindrücke, die sich sogleich einprägten.

Ein zweites Phänomen, das mir bei der Wiederbegegnung mit der Burg deutlich wurde und mich überraschte, sowie zunächst verunsicherte, war das der veränderten Dimensionen nach so vielen Jahren; denn in meiner Erinnerung, der eines Elfjährigen, war nahezu alles viel größer, mächtiger und imposanter, als ich es jetzt als einer, der an der Grenze zum Greisenalter steht, wahrnahm. Am meisten fiel mir das am Speisesaal, in der Burgschänke, am Appellplatz und im Hallenbad sowie am Sportge1ände auf‘. Die sicher auch gewollte und beabsichtigte Wirkung, die allein von der Architektur und ihren riesigen Ausmaßen auf mich als Jugendlicher ausging, war nun um vieles geringer, wie ich überhaupt jetzt erst in der Lage war, das Ganze - wenn auch heute noch unfertig oder teilweise zerstört - in den Blick zu bekommen. Dazu war ich als Elfjähriger offenbar überhaupt noch nicht in der Lage, und außerdem hat sich uns als Schüler, die fest eingebunden waren in einen Schulungsprozess und sich nur in einem engen Bereich der Burg aufhielten, diese damals noch gar nicht wirklich erschlossen, weder ihrer Größenordnung nach noch viel weniger von ihrer durch die nationalsozialistische Ideologie mitbestimmten Gesamtkonzeption her. Insofern war der jetzige Eindruck, den ich als Erwachsener erhielt, viel umfassender und detaillierter als der des kleinen Adolf-Hitler-Schülers von ehedem. Freilich hätte man auch jetzt manches gerne noch eingehender und gründlicher kennen gelernt, als es in den zwei zur Verfügung stehenden Stunden möglich war.

So konnte man z.B. auf die Schnelle kaum einen Überblick erhalten über das, was seit 1945 an Veränderungen, Ergänzungen und Neubauten hinzukam. Auch ließ sich nicht ohne weiteres erkennen, was noch originale Bausubstanz ist und was nicht. Aber es war unschwer zu erkennen, dass aufs ganze Gesehen und wohl erst vermehrt in jüngster Zeit große Anstrengungen unternommen wurden, die ursprüngliche Bausubstanz zu erhalten und dafür auch die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen einzuleiten. Freilich ist auch dabei die jahrzehntelange Nutzung der gesamten Burg und des umliegenden Areals als Truppenübungsplatz nicht zu übersehen. Denn die Auswirkungen auf den Gesamtkomplex sind trotz vereinzelter Schönheitsreparaturen und Erhaltungsmaßnahmen allgegenwärtig.

Am deutlichsten fiel mir persönlich das bei der Besichtigung eines der sogenannten Kameradschaftshäuser auf; denn in einem solchen waren auch wir Adolf-Hitler-Schüler bei unserem Aufenthalt auf Burg „Vogelsang“ untergebracht. Jetzt sind dies reine Massenunterkunftsbauten für die Truppenkontingente, die dort ausgebildet bzw. geschult werden oder an Truppenübungen teilnehmen. Der kasernenartige Eindruck und Anstrich, den die ganze Burg durch die ständige Anwesenheit von Truppeneinheiten erhielt, ist aus diesem Grunde auch nicht zu verkennen. Inwieweit sie dadurch irreparable Schäden erlitt, vermag ich nicht zu sagen, aber es drängen sich Gedanken - selbst bei einem nur so kurzen Besuch, wie ich ihn mit meinen Geschwistern machen durfte - auf, die sich vorrangig um die Frage der Erhaltung und deren Notwendigkeit im Falle der Ordensburg „Vogelsang“ drehen; denn nach fast 60 Jahren seit dem Ende des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland beginnt man auch über dessen Erbe - und zu ihm gehören auch die Ordensburgen Vogelsang, Sonthofen und Crössinsee - anders zu urteilen und zu erkennen, dass es sich dabei um architektonisch und überhaupt kultur - und auch kunstgeschichtlich bedeutsame Zeugen unserer gemeinsamen Vergangenheit handelt, die es zu erhalten, zu bewahren und nach Möglichkeit für uns alle nutzbar zu machen gilt.

Deshalb war es auch interessant und sogar eindrucksvoll, miterleben zu können, welche Anstrengungen von deutscher Seite gemacht werden, die ehemalige Ordensburg „Vogelsang“ im Rahmen eines Projekts „Nationalpark Eifel“ künftig in vielfältiger Weise zu nutzen und sie zum kulturellen und geistigen Zentrum dieses Nationalparks zu machen. Dass das Gelingen eines solchen Vorhabens eine große und kostspielige Aufgabe ist, steht außer Frage, dass sie jedoch im Interesse aller in Angriff genommen und durchgeführt werden muss, aber auch.
Diese Erkenntnis möchte ich auch als ein Ergebnis der Eindrücke, die ich bei meinem Vogelsang-Besuch gewonnen habe, verstanden wissen.

Frage ich mich zum Schluss nach dem Ergebnis meiner Widerbegegnung mit der Ordensburg „Vogelsang“ nach so langer Zeit, so steht zunächst der ganz persönliche Aspekt dieser Begegnung mit einer Fülle an bewegenden Erinnerungen und Erlebnissen im Vordergrund, dann aber auch die Erfahrung, dass mir der Ort dieser Zeit als Adolf-Hitler-Schüler über 6o Jahre hinweg auch seltsam fern gerückt und fremd geworden ist, unwirklich sogar bis zu einem gewissen Grad, so dass ich ihn heute auch als abweisend und emotional unzugänglich empfinde, jedenfalls aber als einen Ort ohne innere Beziehung dazu, wohl auch deshalb, weil damit nicht nur ein Jahr harter Erziehung für mich verbunden ist, sondern in gewisser Weise auch all das andere, das sich für uns mit der Erinnerung an den nationalsozialistischen Unrechtsstaat verbindet; denn auch das ist in der Ordensburg „Vogelsang“ mit bleibende Gestalt geworden.

Abbildung: Walter Kallert in Mitten seiner Geschwister - vor dem 'Bergfried'

Abbildung: Im ehemaligen „Adlerhof“ - Kees Van DEN BERG, holländischer Journalist -- Walter Kallert